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Kondolenzbuch

Herbert Tichy, 1949-2010

Kondolenzbuch für Herbert Tichy

11.08.2010 - Susanne Fischer-Bühnemann
Lieber Herbert,

ein Gedicht für Dich

Todes-Erfahrung
Rainer Maria Rielke

Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund, Bewunderung und Liebe oder Haß dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen. Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen, spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.

Doch als du gingst, da brach in diese Bühne ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne, wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.

Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes hersagend und Gebärden dann und wann aufhebend; aber dein von uns entferntes, aus unserm Stück entrücktes Dasein kann uns manchmal überkommen, wie ein Wissen von jener Wirklichkeit sich niedersenkend, so daß wir eine Weile hingerissen das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.

01.08.2010 - Klaus Leander Fischer
Lieber Herbert,

Du bist von der Bühne des Lebens abgetreten, auf der ich Dich so gern noch viel länger gesehen hätte! Waren wir beisammen, hatten wir uns immer viel zu sagen, dabei politisch selten einer Meinung. Das war für mich sehr reizvoll, warst Du doch immer gut informiert und darüber hinaus sehr belesen, auch viel belesener als ich. Ich schätzte an an Dir auch Deinen nicht klein zu kriegenden Humor, der uns viel zu lachen gab. Immer warst Du authentisch, mit allerlei Ecken und Kanten, die Dich zum Original machten. Gab es etwas zu spülen oder aufzuräumen war nicht unbedingt mit Dir zu rechnen, Du faule Socke! Brauchte ich oder andere menschliche Unterstützung, hast Du keinen Aufwand gescheut! Sei versichert das mir das so rum natürlich viel besser gefiel, als wenn es anders gewesen wär! Du wirst fehlen. Klaus Leander

27.07.2010 - Elfi
Hallo Herbert,
erst jetzt habe ich erfahren, dass Du so einfach gegangen bist. Es ist so schwer, zu begreifen. Du warst immer Herbert Tichy, niemand konnte Dich verbiegen und das hat Dich so wertvoll gemacht.
Du wirst mir fehlen.

Wir sind aus dem gleichen Stoff, aus dem die Träume gemacht sind und unser kurzes Leben ist eingebettet in einen langen Schlaf ....

Elfi

06.07.2010 - Grit


Auf den Tag genau vor einem Monat erhielt ich am frühen Abend einen Anruf, dessen Inhalt sich mir nicht sogleich erschloß. Drei- oder vier-, vielleicht auch fünfmal mußte ich nachfragen, ehe ich endlich verstand - Herbert ist tot.
So richtig, wirklich be-griffen habe ich das an jenem Sonntag nicht. Und daran hat sich bis heute nicht allzu viel geändert.

Nun bist du nicht mehr. Warum kann ich das nicht fühlen? Jetzt!? Nie mehr wirst Du in unserer Runde sitzen, Deinen Rotwein genießen, Anekdoten vom Theater erzählen, mit uns lachen und streiten.
Während ich schreibe, sehe ich Dich lachend vor mir, ja ich kann dich sogar hören.

Herbert, wir sehen uns. Irgendwann.
Und bis dahin laß es Dir gut gehen, da wo Du jetzt bist.
Ich behalte Dich derweil in Erinnerung...

04.07.2010 - Sved Uwe Dressler
Lieber Tichy,

tja, was soll ich jetzt zu Deinem Tod sagen?
Heute habe ich mich entschlossen Dir die letzten Zeilen zu schreiben. Es hat ein Weilchen gedauert, weil ich Deinen Abgang, so schnell und durchgestanden, nicht erwartet habe. Hinter der Faust feixt man und sagt, was kann einem Regisseur Besseres passieren als in Bayreuth kurz vor einem Theaterstück zu sterben. Jean Paul ist der Teufel, wir waren auf seinen Spuren in Beiräut.

Für die ganzen Geschichten vom Theater, für die Erinnerung an Cottbus und ab Schacksdorf, danke ich Dir. Wir haben uns gern beim Rioja gemeinsam erinnert. Und was ist das Fazit? Wir sollten alle nichts hinausschieben.
Das Ewige "Wir treffen uns im nächstes Jahr" geht uns schon runter wie Öl, weil wir fast wissen, es wird nischt draus. Die Zeit ist schneller als das Leben! (Benno Blech)

Wenn ich dann da bin, wo Du jetzt bist, nicht gleich (hoffe ich), weil das Leben ist schön, wirst Du mir Neues erzählen. Du hast ja immerhin, jetzt die Chance, vor mir und anderen Deiner Freunde und Kollegen schon runter oder hoch zugucken.

Aus unserem Projekt, in dem wir irgendwann, durch Vergleiche, Zitate von Zitaten lösen wollten, um, Gleichheiten gleich zu setzen, Selbiges zu Selbigen zu machen, ist nun leider nichts geworden. Wir haben tausende kluge und unkluge Sprüche gesammelt, von tausend neunmalklugen Menschen!

Folgendes hast Du mir geemailt: "In der vollkommenen Stille hört man die ganze Welt" Kurt Tucholsky (Ich hoffe, es ist jetzt so)

und "Um gut leben zu lernen, muß man zunächst gut sterben lernen." Sokrates. (Ich denke in Griechenland an Dich und trinke immer eine Ouzo für Dich und kippe den Rest für Poseidon ins Mittelmeer)

Was sind die ewigen Sprüche in unserem Leben, wenn sie dann nie oder selten aufgehen?

Egal ob Du oben oder unten bist, bitte schau ein bißchen auf mich, Du weißt, ich dreh auch mal durch.... Gib einfach Rauchzeichen, aber zünde das Haus nicht an!

"Die Ewigkeit kann ziemlich lang sein ... besonders am Ende" sagt der amerikanische Clown Woody Allen.

Bleib der Alte, aber rauch nicht so viel! Außer bei Rauchzeichen.
Bis dahin, wir sehen uns wieder.

Dein Freund Uwe

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