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Der Kontrabass
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Prämiere am 5.02.2009; Städtische Bühnen Lahnstein |
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Ausverkaufte Vorstellungen von
"Der Neurosenkavalier"
Von Frank Becker
Es ist ein schweres Unterfangen für eine kleine Bühne, mit einer Inszenierung der Boulevard-Komödie "Der Neurosenkavalier" gegen die schon legendäre (immer noch auf Tourneen gezeigte) Aufführung mit Claus Biederstaedt anzutreten. Das Westdeutsche Tournee-Theater WTT hat es gewagt - und gewonnen. Unter der Regie von Herbert Tichy, der kurzfristig für den erkrankten Intendanten Wolfgang Eysold einsprang, gelang ein spritziges, intelligentes Spiel mit Macken und Marotten - Liebeswirren eingeschlossen. Felix Bollmann (Dirk Volpert) ist ein notorischer Dieb, der in der Vorweihnachtszeit - die Premiere war passend für den 14.12. vorgesehen und musste verschoben werden - die Filialen der Kaufhauskette Horti um ihre Kassenbestände erleichtert. Auf der Flucht stolpert er in die Praxis eines Psychotherapeuten, dessen Sprechstundenhilfe (sehr süß: Claudia Sowa) dringend auf die angekündigte Vertretung wartet. Bollmann schlüpft geistesgegenwärtig in diese Rolle und in die vorläufige Sicherheit. Die Begegnung mit den drei Patienten des Tages besteht er dank guter Menschenkenntnis und Lebenserfahrung mit Bravour, doch muss er unfreiwillig weitermachen, da die sympathische Kleptomanin Sybille Bast (schick: Pascale-Viviane Flückinger) prompt seine Tasche mit der Beute klaut. Auch dem echten Praxis-Vertreter Dr. de Witt (schüchtern: Björn Lenz) weist er schlagfertig einen Part im Verwirrspiel zu. Inzwischen heilt Bollmann, da er nun schon mal da ist und sich gar Fachliteratur zugelegt hat, als "Neurosenkavalier" die Autorin des Romans "Sturm im Wasserbett" Claudia Carrera (knackig: Verena Sander) von ihrem Bikini-Komplex. Er zeigt dem verschüchterten Finanzbeamten Appelhans (gekonnt verklemmt: Thomas Ritzinger), dass ein echter Elvis in ihm steckt. Und er gewinnt schließlich das Herz der eleganten Diebin Sybille. Zum Schluss therapiert der falsche den depressiven echten Therapeuten Als auch noch der ob der vergeblichen Fahndung nach dem Horti-Dieb depressive Kommissar Maiwald (Herbert Tichy) in die Sprechstunde kommt, zeigt Felix echte Größe - und therapiert auch ihn erfolgreich. Dirk Volpert gibt seinem Therapeuten wider Willen den Pfiff einer wachsenden Beherrschung der Psycho-Materie und verleiht der von Alan Cooper und seinem Übersetzer Gunther Beth intendierten Kritik an der Analyse liebenswürdig Gestalt. Pascale-Viviane Flückinger zeigt in Augenhöhe sympathische Souveränität - ein amüsantes Paar mitten in einem ebenso sympathischen Menschenzoo. "Jeder Dritte hat `ne Meise", stellt der Neurosenkavalier am Schluss statistisch fest und schaut amüsiert ins Publikum. Das zählt heimlich durch. . .
14.11.2008 - Frankenpost Bayreuth
Im Stück
"Gourmets" geht ein Kritiker k. o.
Von Ralf Sziegoleit
Ein Kritiker ist der Bösewicht in einem Theaterstück, das derzeit, als Uraufführung, die Studiobühne Bayreuth präsentiert. Der Mann wird als "Klugscheißer" und "völlig meschugge" geschmäht, denn jeder Anlass ist ihm recht für einen Verriss; den fügt er dann seinen "gesammelten inquisitorischen Schriften" hinzu. Doch nein, um einen Theaterkritiker handelt sich's nicht. Henri Meunier schreibt für ein Fachblatt namens "Gourmets du Monde" und gilt als "Papst der Gastronomiekritik". In dem Stück "Gourmets", einer satirischen Komödie, hat er sich in den "Winzerstuben" angesagt, um eine "Degustation vorzunehmen" und speziell das "Horsd'oeuvre zu sezieren". Sein Urteil fällt erwartungsgemäß vernichtend aus: Als muffig, stichig, fettig bewertet er die Speisen. Dem Chefkoch und Inhaber der Lokalität platzt darum der Kragen; er schlägt den Kritiker k. o. und setzt ihn in einem Kellerraum auf Wasser-und-Brot-Diät. Autorin des Stücks ist die aus Hessen stammende Heike Schwandt, die als Journalistin begann, dann in Bayreuth Geoökologie studierte und elf Jahre lang als Gutachterin auf dem Altlastensektor tätig war. Jetzt lebt sie in Thurnau und ist freie Mitarbeiterin einer oberfränkischen Zeitung. Ihr Lebensgefährte Björn Blank spielt temperamentvoll die Hauptrolle des gewieften Widerlings. Dessen stärkster Widerpart ist der so elegante wie wortgewandte Maître (Frank Ambrosius). Assistiert wird ihm vom jähzornigen Chefkoch (Frank Ammon) und zwei Hilfskräften (Heike Hartmann, Hans Striedl); proletarischen Charme steuert Stefan Masel bei, der sich als Heizungsmonteur in den Tempel der Edelgastronomie und Esskultur verirrt. Ebendiese "überdrehte Kochkunst", auch "Perversion in der Küche" genannt, will das Stück auf die Schippe nehmen. Das geschieht mit etlichen zündenden Pointen, ansonsten eher derbem szenischem Witz und auch schon mal in Form eines Monologs, der an einen Leitartikel erinnert. Trotz der Kürze des Stücks weist der Text manche Längen auf. Mehr zu sagen verbietet sich angesichts des Schicksals, das dem Kritiker im Stück zugedacht ist. Man will ja doch nicht im Keller der Studiobühne schmoren. Im Übrigen: Das Publikum im kleinen Theatersaal fühlte sich gut unterhalten.






































